Krapohl Senior Center- Part 2
Noch knapp 3 Wochen ist das Krapohl Center mein Arbeitsplatz, ziemlich genau 11 Monate bin ich jetzt vor Ort, Zeit dem Center bzw. seine Senioren hier nochmal etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen und euch mein Stammklientel der letzten 48 Wochen mal näher zu bringen.
Fangen wir zu nächst mit dem "Boss" an. Der Boss ist gleichzeitig Mutter-Ersatz und Ansprechperson für alle Fälle. Gayle ist seit Jahrzehnten die Direktorin des Senior Centers, ist aber eigentlich ausgebildete Lehrerin und hat auch in diesem Beruf lange gearbeitet. Vor 10 Jahren hat sie das Freiwilligen Programm in Mount Morris gestartet und ist seither enger Partner der Entsendeorganisation, über die ich meinen Weg in die Staaten gefunden habe. Sie stellt uns Freiwilligen seit 3 Jahren ein Haus und einen Wagen zur Verfügung. Außerdem habe ich mit ihr gemeinsamen einen Road-Trip an die Ostküste und die US-Hauptstadt Washington gemacht. Sie unterstützt und wirbt für das Austauschprogramm bei Konferenzen und schafft es so, eine große Hilfe für das Fortbestehen des Vereins zu sein. Außerdem ist Gayle für uns Freiwillige, wie schon oben gesagt, eine Art Ersatzmutter und die Kontaktperson für alle Fälle, so dass man sich mit sämtlichen Problemen an sie wenden kann- wenn sie einen mag und umgekehrt! Ein freundlicher Gruß an Raffael und die Bande vom letzten Jahr an dieser Stelle
Sharon ist zwar fast blind, aber trotzdem eine der engagiertesten Senioren und unglaublich gutherzig. Sie hilft, wo sie nur kann, hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und eckt mit ihrem losen Mundwerk auch schon mal an. Das macht sie für mich zu einer meiner besten Freunde im Center, denn wir beide verstehen uns einfach sehr gut und helfen uns gegenseitig, wenn mal Arbeit im Center anfällt. Sie ist 65 und die beste Freundin von Judy.
Judy ist 67 und Busfahrerin des Krapohl Centers und außerdem ausgebildete Friseuse, was meine Haare sehr zu schätzen wissen. Ähnliche wie Sharon, ist Judy eine echte Frohnatur und versteht es immer wieder, das gesamte Center zum Lachen zu bringen. Beim berühmten Wii-Bowling-Turnier ist sie Serienmeisterin, außerdem der Medaillengarant des Centers bei den Senior Olympic Games. Judy ist außerdem begeisterte Golfer- und Anglerin, gerade das Golfen versucht sie seit einiger Zeit auch mir näher zu bringen, allerdings mit durchwachsenen Erfolg. Ich würde Judy durchaus als meine "Lieblingsseniorin" bezeichnen, da, sobald sie den Raum betritt, die Stimmung direkt hochgeht, außerdem hat sie einen super Freund (nicht Ehemann, davon hatte sie schon 4
).
Womit wir zu Tim kämen. Sein eigentlicher Name Timothy wird immer dann benutzt, wenn die beiden o.g. Frauen mal wieder etwas an ihm auszusetzen haben, was zu seinem Glück gar nicht soo häufig vorkommt. Gelegentliche Ausraster beim Bingo oder Bowling spielen mal ausgenommen, ist Tim eine sehr ruhige Natur, allerdings mit dem entschiedenen Vorteil, sehr sportbegeistert zu sein. So war er es, der mich davon überzeugen konnte, dass Football gar nicht soo langweilig ist und so verdanke ich ihm heute mein gesamtes Wissen über diesen Sport (zugegeben: Fußball, Eishockey und Basketball stehen immer noch höher im Kurs). Tim hat, als er 5 Jahre alt war, bei einem Autounfall beide Beine verloren und sitzt seitdem im Rollstuhl, doch davon lässt er sich von keinerlei Aktivitäten abhalten. Neben Football ist das Fischen seine große Leidenschaft. Tim ist definitiv "my man"!
Norman ist mein Billard-Buddy! Seit Oktober bespielen wir fast jeden Morgen von 9 bis halb 12 den Pool-Tisch, außerdem hat er sich auch schon als Golf-Lehrer bei mir versucht. Beim Billard hatte er da definitiv mehr Erfolg, das musste auch er sich nach dem gefühlt tausendsten Fehlschlag eingestehen müssen. Ansonsten ist Norman schon alleine wegen seiner Körpergröße von rund 1.9m sympathisch und absoluter Auto/Oldtimerfan Er hat,drei wunderbare Exemplare amerikanischer Automobilkunst selber aufgemotzt hat, die er aber leider nur sehr selten fährt. Für den Alltag reicht da auch der BMW-5er, wie gesagt: Der Mann hat Geschmack! Einziger negativer Aspekt: In seinen 76 Lebensjahren hat er es nie geschafft, sich ein Interesse an anderen Sportarten als Billard, Golf und Baseball an zueignen, von ihm kam während des WM-Eröffnungsspiels die Frage: "Was für eine Sportart ist das da eigentlich, und wieso hört sich das an wie ein Schwarm Hummeln?"
Nora ist 85 Jahre alt und seit der Gründung des Centers aktiv dabei. Seit über 10 Jahren arbeitet sie im "Front Desk", also im Verwaltungs- und Begrüßungsbereich des Centers und gibt außerdem dreimal die Woche ein Fitness-Training für andere Senioren. Sie ist fast peinlich berührt, wenn sie andere Mitarbeiter des Centers bei deren Tätigkeiten unterbrechen muss oder mal eine Frage hat. Liebenswürdigkeit und Zuverlässigkeit in Person, so kann man Nora wohl am besten beschreiben. Eine wirklich enge Beziehung zu ihr hatte ich nie, aber sie ist einfach nett und gehört zum absoluten Inventar des Centers.
Charlotte ist unser Brummbär. Sie ist eigentlich immer etwas grummelig, aber absolut herzlich und einfach "echt". Wenn sie etwas stört, sagt sie es offen heraus!Wenn sie deine Hilfe braucht, erwartet sie, dass das sofort und auf der Stelle möglich ist! Auf der anderen Seite ist sie auch immer bereit, dir oder der Allgemeinheit zu helfen. Charlotte hat die lauteste Stimme aller unserer Seniorinnen, nutzt diese aber nicht nur zum Meckern, sondern auch sehr häufig zum Lachen- nur nicht wenn's um Bingo geht: da ist ihrer Meinung nach Ernsthaftigkeit angesagt und kein Platz für Späße. Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem Charlotte nicht im Center ist, denn "irgendwas gibt es immer zu tun". Neben dem Dienst in der Küche, hilft sie also bei allen anderen gerade anfallenden Aufgaben und liefert sich mit Judy hoch emotionale Duelle beim Wii-Bowling.
Isabelle wird von mir nur Mrs. Card-Games genannt. Sie ist mit ihren 89 Jahren eine der ältesten "Stammsenioren", also jemand, der eigentlich jeden Tag anwesend ist. Ihre Zeit hier verbringt sie dann damit, alle nur erdenklichen Kartenspiele mit ihren Mit-Senioren zu spielen. Außerdem zieht sie die Bingo-Kugeln und war in der Vergangenheit wohl die "Sportmaschine" des Centers, mit zunehmenden Alter musste sie das leider aufgeben. Trotzdem nimmt sie noch an so ziemlich allen Aktivitäten teil und ist mit ihrer ruhigen, netten Art sehr sympathisch.
Stan ist der McGyver des Centers. Wann immer Probleme auftauchen ist Stan da und löst diese- irgendwie! Außerdem ist er Busfahrer und so ziemlich in alle Aktivitäten im Center involviert. Ein Detroiter-Orginal mit ziemlich starken Dialekt, aber unglaublicher Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Bei Stan kannst du mit allem ankommen, er weiß irgendeine Lösung, außerdem ist er ein lebendes GPS-System, zumindest, was die Region Flint-Detroit angeht. Er gehört zu unserer allmorgendlichen Billardrunde und ist großer Baseball-Fan.
Diese Frau hat sich gemacht! War Betty in den ersten Wochen noch aufgrund ihrer Garstig- und Dreistigkeit bei mir völlig unten durch, so hat sie sich seither immer mehr gemacht und ist mittlerweile eine meiner Lieblingsseniorinnen geworden. Zwar mag sie es immer noch, sich über alles mögliche zu beschweren, gleichzeitig ist sie aber super hilfsbereit und nett geworden. Ab und an mussman sie bremsen, damit sie nicht anderen Senioren die Augen auskratzt, gerade zwischen Norman und ihr kracht es beim Billardspielen das ein oder andere mal: Aber letztlich kann man wirklich sehr gut mit ihr auskommen, sobald man sie einmal kennt- und sie dich.
Kommen wir zu den zwei Pärchen, die ich seit meiner Ankunft so ziemlich jeden Tag um mich herum hatte.
Da wären zunächst mal Joe und Margret. Die Beiden sind jeden Tag im Center, beteiligen sich an fast allen Aktivitäten und arbeiten ansonsten freiwillig in der Küche bzw. der Center-Werkstatt. Joe ist einer meiner Billard-Partner, während Margret eher eine unserer Bowling-Experten ist. Zusätzlich gehört Joe zu den sport- verrücktesten Menschen, die ich hier kennen lernen durfte. Besonders beim Baseball kennt sich der Mann einfach aus und kann dir unglaublich viele, spannende Geschichten erzählen. Die beiden gehören ebenfalls zum "Inventar" und meinen Lieblingsmenschen hier, da sie beide ein großer Faktor für die nette Atmosphäre im Center sind.
Zu guter Letzt wären dann da noch Myriell und Edward. Während ich Ed immer etwas sonderbar finde, ist Myriell definitiv mein "Oma-Ersatz". Neben Wäschefalten, Extras beim Mittagessen oder einfach guten Ratschlägen, erinnert mich besonders ihr stetiges Interesse an meinem Leben und das Erzählen aus ihrem Leben an meine Omas zu Hause. Das macht Spaß, und wenn sie mir jetzt noch ihr Taschengeld und Auto zur Verfügung stellen würde, wäre der Unterschied verschwindend gering. Aber, keine Sorge Oma (beide): Ihr bleibt die Besten
.
Das war also eine kleine Übersicht über einen Teil der Leute, die meinen täglichen Arbeitstag im Center mehr wie Freizeit wirken ließen und die dafür sorgten, dass der Arbeitsplatz eine Atmosphäre hatte, die wohl seinesgleichen sucht. Durch das Senior Center meines Mitbewohners hab ich hier eine gute Vergleichsmöglichkeit und kann mich nur glücklich schätzen, hier meinem Platz gefunden zu haben. Auch wenn nicht alles während der 12 Monate glatt gelaufen ist, so war das Center stets ein Platz, wo ich gerne war, viel Spaß hatte und letztlich einer der Hauptgründe war, dass ich dieses Jahr so durchgestanden habe.
Ich hoffe, ich konnte die Ansprüche der älteren Leserschaft an diesen Beitrag (um den mich die betroffenen Personen mehrmals bitten mussten) erfüllen konnte und wünsche euch noch eine schöne Restwoche und ein schönes Wochenende. Ich werde mich wohl aus Florida wieder zu Wort melden.
Euer Clemens
Noch knapp 3 Wochen ist das Krapohl Center mein Arbeitsplatz, ziemlich genau 11 Monate bin ich jetzt vor Ort, Zeit dem Center bzw. seine Senioren hier nochmal etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen und euch mein Stammklientel der letzten 48 Wochen mal näher zu bringen.
Fangen wir zu nächst mit dem "Boss" an. Der Boss ist gleichzeitig Mutter-Ersatz und Ansprechperson für alle Fälle. Gayle ist seit Jahrzehnten die Direktorin des Senior Centers, ist aber eigentlich ausgebildete Lehrerin und hat auch in diesem Beruf lange gearbeitet. Vor 10 Jahren hat sie das Freiwilligen Programm in Mount Morris gestartet und ist seither enger Partner der Entsendeorganisation, über die ich meinen Weg in die Staaten gefunden habe. Sie stellt uns Freiwilligen seit 3 Jahren ein Haus und einen Wagen zur Verfügung. Außerdem habe ich mit ihr gemeinsamen einen Road-Trip an die Ostküste und die US-Hauptstadt Washington gemacht. Sie unterstützt und wirbt für das Austauschprogramm bei Konferenzen und schafft es so, eine große Hilfe für das Fortbestehen des Vereins zu sein. Außerdem ist Gayle für uns Freiwillige, wie schon oben gesagt, eine Art Ersatzmutter und die Kontaktperson für alle Fälle, so dass man sich mit sämtlichen Problemen an sie wenden kann- wenn sie einen mag und umgekehrt! Ein freundlicher Gruß an Raffael und die Bande vom letzten Jahr an dieser Stelle
Sharon ist zwar fast blind, aber trotzdem eine der engagiertesten Senioren und unglaublich gutherzig. Sie hilft, wo sie nur kann, hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und eckt mit ihrem losen Mundwerk auch schon mal an. Das macht sie für mich zu einer meiner besten Freunde im Center, denn wir beide verstehen uns einfach sehr gut und helfen uns gegenseitig, wenn mal Arbeit im Center anfällt. Sie ist 65 und die beste Freundin von Judy.
Judy ist 67 und Busfahrerin des Krapohl Centers und außerdem ausgebildete Friseuse, was meine Haare sehr zu schätzen wissen. Ähnliche wie Sharon, ist Judy eine echte Frohnatur und versteht es immer wieder, das gesamte Center zum Lachen zu bringen. Beim berühmten Wii-Bowling-Turnier ist sie Serienmeisterin, außerdem der Medaillengarant des Centers bei den Senior Olympic Games. Judy ist außerdem begeisterte Golfer- und Anglerin, gerade das Golfen versucht sie seit einiger Zeit auch mir näher zu bringen, allerdings mit durchwachsenen Erfolg. Ich würde Judy durchaus als meine "Lieblingsseniorin" bezeichnen, da, sobald sie den Raum betritt, die Stimmung direkt hochgeht, außerdem hat sie einen super Freund (nicht Ehemann, davon hatte sie schon 4
).
Womit wir zu Tim kämen. Sein eigentlicher Name Timothy wird immer dann benutzt, wenn die beiden o.g. Frauen mal wieder etwas an ihm auszusetzen haben, was zu seinem Glück gar nicht soo häufig vorkommt. Gelegentliche Ausraster beim Bingo oder Bowling spielen mal ausgenommen, ist Tim eine sehr ruhige Natur, allerdings mit dem entschiedenen Vorteil, sehr sportbegeistert zu sein. So war er es, der mich davon überzeugen konnte, dass Football gar nicht soo langweilig ist und so verdanke ich ihm heute mein gesamtes Wissen über diesen Sport (zugegeben: Fußball, Eishockey und Basketball stehen immer noch höher im Kurs). Tim hat, als er 5 Jahre alt war, bei einem Autounfall beide Beine verloren und sitzt seitdem im Rollstuhl, doch davon lässt er sich von keinerlei Aktivitäten abhalten. Neben Football ist das Fischen seine große Leidenschaft. Tim ist definitiv "my man"!
Norman ist mein Billard-Buddy! Seit Oktober bespielen wir fast jeden Morgen von 9 bis halb 12 den Pool-Tisch, außerdem hat er sich auch schon als Golf-Lehrer bei mir versucht. Beim Billard hatte er da definitiv mehr Erfolg, das musste auch er sich nach dem gefühlt tausendsten Fehlschlag eingestehen müssen. Ansonsten ist Norman schon alleine wegen seiner Körpergröße von rund 1.9m sympathisch und absoluter Auto/Oldtimerfan Er hat,drei wunderbare Exemplare amerikanischer Automobilkunst selber aufgemotzt hat, die er aber leider nur sehr selten fährt. Für den Alltag reicht da auch der BMW-5er, wie gesagt: Der Mann hat Geschmack! Einziger negativer Aspekt: In seinen 76 Lebensjahren hat er es nie geschafft, sich ein Interesse an anderen Sportarten als Billard, Golf und Baseball an zueignen, von ihm kam während des WM-Eröffnungsspiels die Frage: "Was für eine Sportart ist das da eigentlich, und wieso hört sich das an wie ein Schwarm Hummeln?"
Nora ist 85 Jahre alt und seit der Gründung des Centers aktiv dabei. Seit über 10 Jahren arbeitet sie im "Front Desk", also im Verwaltungs- und Begrüßungsbereich des Centers und gibt außerdem dreimal die Woche ein Fitness-Training für andere Senioren. Sie ist fast peinlich berührt, wenn sie andere Mitarbeiter des Centers bei deren Tätigkeiten unterbrechen muss oder mal eine Frage hat. Liebenswürdigkeit und Zuverlässigkeit in Person, so kann man Nora wohl am besten beschreiben. Eine wirklich enge Beziehung zu ihr hatte ich nie, aber sie ist einfach nett und gehört zum absoluten Inventar des Centers.
Charlotte ist unser Brummbär. Sie ist eigentlich immer etwas grummelig, aber absolut herzlich und einfach "echt". Wenn sie etwas stört, sagt sie es offen heraus!Wenn sie deine Hilfe braucht, erwartet sie, dass das sofort und auf der Stelle möglich ist! Auf der anderen Seite ist sie auch immer bereit, dir oder der Allgemeinheit zu helfen. Charlotte hat die lauteste Stimme aller unserer Seniorinnen, nutzt diese aber nicht nur zum Meckern, sondern auch sehr häufig zum Lachen- nur nicht wenn's um Bingo geht: da ist ihrer Meinung nach Ernsthaftigkeit angesagt und kein Platz für Späße. Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem Charlotte nicht im Center ist, denn "irgendwas gibt es immer zu tun". Neben dem Dienst in der Küche, hilft sie also bei allen anderen gerade anfallenden Aufgaben und liefert sich mit Judy hoch emotionale Duelle beim Wii-Bowling.
Isabelle wird von mir nur Mrs. Card-Games genannt. Sie ist mit ihren 89 Jahren eine der ältesten "Stammsenioren", also jemand, der eigentlich jeden Tag anwesend ist. Ihre Zeit hier verbringt sie dann damit, alle nur erdenklichen Kartenspiele mit ihren Mit-Senioren zu spielen. Außerdem zieht sie die Bingo-Kugeln und war in der Vergangenheit wohl die "Sportmaschine" des Centers, mit zunehmenden Alter musste sie das leider aufgeben. Trotzdem nimmt sie noch an so ziemlich allen Aktivitäten teil und ist mit ihrer ruhigen, netten Art sehr sympathisch.
Stan ist der McGyver des Centers. Wann immer Probleme auftauchen ist Stan da und löst diese- irgendwie! Außerdem ist er Busfahrer und so ziemlich in alle Aktivitäten im Center involviert. Ein Detroiter-Orginal mit ziemlich starken Dialekt, aber unglaublicher Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Bei Stan kannst du mit allem ankommen, er weiß irgendeine Lösung, außerdem ist er ein lebendes GPS-System, zumindest, was die Region Flint-Detroit angeht. Er gehört zu unserer allmorgendlichen Billardrunde und ist großer Baseball-Fan.
Diese Frau hat sich gemacht! War Betty in den ersten Wochen noch aufgrund ihrer Garstig- und Dreistigkeit bei mir völlig unten durch, so hat sie sich seither immer mehr gemacht und ist mittlerweile eine meiner Lieblingsseniorinnen geworden. Zwar mag sie es immer noch, sich über alles mögliche zu beschweren, gleichzeitig ist sie aber super hilfsbereit und nett geworden. Ab und an mussman sie bremsen, damit sie nicht anderen Senioren die Augen auskratzt, gerade zwischen Norman und ihr kracht es beim Billardspielen das ein oder andere mal: Aber letztlich kann man wirklich sehr gut mit ihr auskommen, sobald man sie einmal kennt- und sie dich.
Kommen wir zu den zwei Pärchen, die ich seit meiner Ankunft so ziemlich jeden Tag um mich herum hatte.
Da wären zunächst mal Joe und Margret. Die Beiden sind jeden Tag im Center, beteiligen sich an fast allen Aktivitäten und arbeiten ansonsten freiwillig in der Küche bzw. der Center-Werkstatt. Joe ist einer meiner Billard-Partner, während Margret eher eine unserer Bowling-Experten ist. Zusätzlich gehört Joe zu den sport- verrücktesten Menschen, die ich hier kennen lernen durfte. Besonders beim Baseball kennt sich der Mann einfach aus und kann dir unglaublich viele, spannende Geschichten erzählen. Die beiden gehören ebenfalls zum "Inventar" und meinen Lieblingsmenschen hier, da sie beide ein großer Faktor für die nette Atmosphäre im Center sind.
Zu guter Letzt wären dann da noch Myriell und Edward. Während ich Ed immer etwas sonderbar finde, ist Myriell definitiv mein "Oma-Ersatz". Neben Wäschefalten, Extras beim Mittagessen oder einfach guten Ratschlägen, erinnert mich besonders ihr stetiges Interesse an meinem Leben und das Erzählen aus ihrem Leben an meine Omas zu Hause. Das macht Spaß, und wenn sie mir jetzt noch ihr Taschengeld und Auto zur Verfügung stellen würde, wäre der Unterschied verschwindend gering. Aber, keine Sorge Oma (beide): Ihr bleibt die Besten
.
Das war also eine kleine Übersicht über einen Teil der Leute, die meinen täglichen Arbeitstag im Center mehr wie Freizeit wirken ließen und die dafür sorgten, dass der Arbeitsplatz eine Atmosphäre hatte, die wohl seinesgleichen sucht. Durch das Senior Center meines Mitbewohners hab ich hier eine gute Vergleichsmöglichkeit und kann mich nur glücklich schätzen, hier meinem Platz gefunden zu haben. Auch wenn nicht alles während der 12 Monate glatt gelaufen ist, so war das Center stets ein Platz, wo ich gerne war, viel Spaß hatte und letztlich einer der Hauptgründe war, dass ich dieses Jahr so durchgestanden habe.
Ich hoffe, ich konnte die Ansprüche der älteren Leserschaft an diesen Beitrag (um den mich die betroffenen Personen mehrmals bitten mussten) erfüllen konnte und wünsche euch noch eine schöne Restwoche und ein schönes Wochenende. Ich werde mich wohl aus Florida wieder zu Wort melden.
Euer Clemens