Boisseree'scher Blog
20Jul/100

Krapohl Senior Center- Part 2

Noch knapp 3 Wochen ist das Krapohl Center mein Arbeitsplatz, ziemlich genau 11 Monate bin ich jetzt vor Ort, Zeit dem Center bzw. seine Senioren hier nochmal etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen und euch mein Stammklientel der letzten 48 Wochen mal näher zu bringen.

Fangen wir zu nächst mit dem "Boss" an. Der Boss ist gleichzeitig Mutter-Ersatz und Ansprechperson für alle Fälle. Gayle ist seit Jahrzehnten die Direktorin des Senior Centers, ist aber eigentlich ausgebildete Lehrerin und hat auch in diesem Beruf lange gearbeitet. Vor 10 Jahren hat sie das Freiwilligen Programm in Mount Morris gestartet und ist seither enger Partner der Entsendeorganisation, über die ich meinen Weg in die Staaten gefunden habe. Sie stellt uns Freiwilligen seit 3 Jahren ein Haus und einen Wagen zur Verfügung. Außerdem habe ich mit ihr gemeinsamen einen Road-Trip an die Ostküste und die US-Hauptstadt Washington gemacht. Sie unterstützt und wirbt für das Austauschprogramm bei Konferenzen und schafft es so, eine große Hilfe für das Fortbestehen des Vereins zu sein. Außerdem ist Gayle für uns Freiwillige, wie schon oben gesagt, eine Art Ersatzmutter und die Kontaktperson für alle Fälle, so dass man sich mit  sämtlichen Problemen an sie wenden kann- wenn sie einen mag und umgekehrt! Ein freundlicher Gruß an Raffael und die Bande vom letzten Jahr an dieser Stelle ;)

Sharon ist zwar fast blind, aber trotzdem eine der engagiertesten Senioren und unglaublich gutherzig. Sie hilft, wo sie nur kann, hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und eckt mit ihrem losen Mundwerk auch schon mal an. Das macht sie für mich zu einer meiner besten Freunde im Center, denn wir beide verstehen uns einfach sehr gut und helfen uns gegenseitig, wenn mal Arbeit im Center anfällt. Sie ist 65 und die beste Freundin von Judy.

Judy ist 67 und Busfahrerin des Krapohl Centers und außerdem ausgebildete Friseuse, was meine Haare sehr zu schätzen wissen. Ähnliche wie Sharon, ist Judy eine echte Frohnatur und versteht es immer wieder, das gesamte Center zum Lachen zu bringen. Beim berühmten Wii-Bowling-Turnier ist sie Serienmeisterin, außerdem der Medaillengarant des Centers bei den Senior Olympic Games. Judy ist außerdem begeisterte Golfer- und Anglerin, gerade das Golfen versucht sie seit einiger Zeit auch mir näher zu bringen, allerdings mit durchwachsenen Erfolg. Ich würde Judy durchaus als meine "Lieblingsseniorin" bezeichnen, da, sobald sie den Raum betritt, die Stimmung direkt hochgeht, außerdem hat sie einen super Freund (nicht Ehemann, davon hatte sie schon 4 ;) ).

Womit wir zu Tim kämen. Sein eigentlicher Name Timothy wird immer dann benutzt, wenn die beiden o.g. Frauen mal wieder etwas an ihm auszusetzen haben, was zu seinem Glück gar nicht soo häufig vorkommt. Gelegentliche Ausraster beim Bingo oder Bowling spielen mal ausgenommen, ist Tim eine sehr ruhige Natur, allerdings mit dem entschiedenen Vorteil, sehr sportbegeistert zu sein. So war er es, der mich davon überzeugen konnte, dass Football gar nicht soo langweilig ist und so verdanke ich ihm heute mein gesamtes Wissen über diesen Sport (zugegeben: Fußball, Eishockey und Basketball stehen immer noch  höher im Kurs). Tim hat, als er 5 Jahre alt war, bei einem Autounfall beide Beine verloren und sitzt seitdem im Rollstuhl, doch davon lässt er sich von keinerlei Aktivitäten abhalten. Neben Football ist das Fischen seine große Leidenschaft. Tim ist definitiv "my man"!

Norman ist mein Billard-Buddy! Seit Oktober bespielen wir fast jeden Morgen von 9 bis halb 12  den Pool-Tisch, außerdem hat er sich auch schon als Golf-Lehrer bei mir versucht. Beim Billard hatte er da definitiv mehr Erfolg, das musste auch er sich nach dem gefühlt tausendsten Fehlschlag eingestehen müssen. Ansonsten ist Norman schon alleine wegen seiner Körpergröße von rund 1.9m sympathisch und absoluter Auto/Oldtimerfan Er hat,drei wunderbare Exemplare amerikanischer Automobilkunst selber aufgemotzt hat, die er aber leider nur sehr selten fährt. Für den Alltag reicht da auch der BMW-5er, wie gesagt: Der Mann hat Geschmack!  Einziger negativer Aspekt: In seinen 76 Lebensjahren hat er es nie geschafft, sich ein Interesse an anderen Sportarten als Billard, Golf und Baseball an zueignen, von ihm kam während des WM-Eröffnungsspiels  die Frage: "Was für eine Sportart ist das da eigentlich, und wieso hört sich das an wie ein Schwarm Hummeln?"

Nora ist 85 Jahre alt und seit der Gründung des Centers aktiv dabei. Seit über 10 Jahren arbeitet sie im "Front Desk", also im Verwaltungs- und Begrüßungsbereich des Centers und gibt außerdem dreimal die Woche ein Fitness-Training für andere Senioren. Sie ist fast peinlich berührt, wenn sie andere Mitarbeiter des Centers bei deren Tätigkeiten unterbrechen muss oder mal eine Frage hat. Liebenswürdigkeit und Zuverlässigkeit in Person, so kann man Nora wohl am besten beschreiben. Eine wirklich enge Beziehung zu ihr hatte ich nie, aber sie ist einfach nett und gehört zum absoluten Inventar des Centers.

Charlotte ist unser Brummbär. Sie ist eigentlich immer etwas grummelig, aber absolut herzlich und einfach "echt". Wenn sie etwas stört, sagt sie es offen heraus!Wenn sie deine Hilfe braucht, erwartet sie, dass das sofort und auf der Stelle möglich ist! Auf der anderen Seite ist sie auch immer bereit, dir oder der Allgemeinheit zu helfen. Charlotte hat die lauteste Stimme aller unserer Seniorinnen, nutzt diese aber nicht nur zum Meckern, sondern auch sehr häufig zum Lachen- nur nicht wenn's um Bingo geht: da ist ihrer Meinung nach Ernsthaftigkeit angesagt und kein Platz für Späße. Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem Charlotte nicht im Center ist, denn "irgendwas gibt es immer zu tun". Neben dem Dienst in der Küche, hilft sie also bei allen anderen gerade anfallenden Aufgaben und liefert sich mit Judy hoch emotionale Duelle beim Wii-Bowling.

Isabelle wird von mir nur Mrs. Card-Games genannt. Sie ist mit ihren 89 Jahren eine der ältesten "Stammsenioren", also jemand, der eigentlich jeden Tag anwesend ist. Ihre Zeit hier verbringt sie dann damit, alle nur erdenklichen Kartenspiele mit ihren Mit-Senioren zu spielen. Außerdem zieht sie die Bingo-Kugeln und war in der Vergangenheit wohl die "Sportmaschine" des Centers, mit zunehmenden Alter musste sie das leider aufgeben. Trotzdem nimmt sie noch an so ziemlich allen Aktivitäten teil und ist mit ihrer ruhigen, netten Art sehr sympathisch.

Stan ist der McGyver des Centers. Wann immer Probleme auftauchen ist Stan da und löst diese- irgendwie! Außerdem ist er Busfahrer und so ziemlich in alle Aktivitäten im Center involviert. Ein Detroiter-Orginal mit ziemlich starken Dialekt, aber unglaublicher Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Bei Stan kannst du mit allem ankommen, er weiß irgendeine Lösung, außerdem ist er ein lebendes GPS-System, zumindest, was die Region Flint-Detroit angeht. Er gehört zu unserer allmorgendlichen Billardrunde und ist großer Baseball-Fan.

Diese Frau hat sich gemacht! War Betty in den ersten Wochen noch aufgrund ihrer Garstig- und Dreistigkeit bei mir völlig unten durch, so hat sie sich seither immer mehr gemacht und ist mittlerweile eine meiner Lieblingsseniorinnen geworden. Zwar mag sie es immer noch, sich über alles mögliche zu beschweren, gleichzeitig ist sie aber super hilfsbereit und nett geworden. Ab und an mussman sie bremsen, damit sie nicht anderen Senioren die Augen auskratzt, gerade zwischen Norman und ihr kracht es beim Billardspielen das ein oder andere mal: Aber letztlich kann man wirklich sehr gut mit ihr auskommen, sobald man sie einmal kennt- und sie dich.

Kommen wir zu den zwei Pärchen, die ich seit meiner Ankunft so ziemlich jeden Tag um mich herum hatte.

Da wären zunächst mal Joe und Margret. Die Beiden sind jeden Tag im Center, beteiligen sich an fast allen Aktivitäten und arbeiten ansonsten freiwillig in der Küche bzw. der Center-Werkstatt. Joe ist einer meiner Billard-Partner, während Margret eher eine unserer Bowling-Experten ist. Zusätzlich gehört Joe zu den sport- verrücktesten Menschen, die ich hier kennen lernen durfte. Besonders beim Baseball kennt sich der Mann einfach aus und kann dir unglaublich viele, spannende Geschichten erzählen. Die beiden gehören ebenfalls zum "Inventar" und meinen Lieblingsmenschen hier, da sie beide ein großer Faktor für die nette Atmosphäre im Center sind.

Zu guter Letzt wären dann da noch Myriell und Edward. Während ich Ed immer etwas sonderbar finde, ist Myriell definitiv mein "Oma-Ersatz".  Neben Wäschefalten, Extras beim Mittagessen oder einfach guten Ratschlägen, erinnert mich besonders ihr stetiges Interesse an meinem Leben und das Erzählen aus ihrem Leben an meine Omas zu Hause. Das macht Spaß, und wenn sie mir jetzt noch ihr Taschengeld und Auto zur Verfügung stellen würde, wäre der Unterschied verschwindend gering. Aber, keine Sorge Oma (beide): Ihr bleibt die Besten ;) .

Das war also eine kleine Übersicht über einen Teil der Leute, die meinen täglichen Arbeitstag im Center mehr wie Freizeit wirken ließen und die dafür sorgten, dass der Arbeitsplatz eine Atmosphäre hatte, die wohl seinesgleichen sucht. Durch das Senior Center meines Mitbewohners hab ich hier eine gute Vergleichsmöglichkeit und kann mich nur glücklich schätzen, hier meinem Platz gefunden zu haben. Auch wenn nicht alles während der 12 Monate glatt gelaufen ist, so war das Center stets ein Platz, wo ich gerne war, viel Spaß hatte und letztlich einer der Hauptgründe war, dass ich dieses Jahr so durchgestanden habe.

Ich hoffe, ich konnte die Ansprüche der älteren Leserschaft an diesen Beitrag (um den mich die betroffenen Personen mehrmals bitten mussten) erfüllen konnte und wünsche euch noch eine schöne Restwoche und ein schönes Wochenende. Ich werde mich wohl aus Florida wieder zu Wort melden.

Euer Clemens

Noch knapp 3 Wochen ist das Krapohl Center mein Arbeitsplatz, ziemlich genau 11 Monate bin ich jetzt vor Ort, Zeit dem Center bzw. seine Senioren hier nochmal etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen und euch mein Stammklientel der letzten 48 Wochen mal näher zu bringen.

Fangen wir zu nächst mit dem "Boss" an. Der Boss ist gleichzeitig Mutter-Ersatz und Ansprechperson für alle Fälle. Gayle ist seit Jahrzehnten die Direktorin des Senior Centers, ist aber eigentlich ausgebildete Lehrerin und hat auch in diesem Beruf lange gearbeitet. Vor 10 Jahren hat sie das Freiwilligen Programm in Mount Morris gestartet und ist seither enger Partner der Entsendeorganisation, über die ich meinen Weg in die Staaten gefunden habe. Sie stellt uns Freiwilligen seit 3 Jahren ein Haus und einen Wagen zur Verfügung. Außerdem habe ich mit ihr gemeinsamen einen Road-Trip an die Ostküste und die US-Hauptstadt Washington gemacht. Sie unterstützt und wirbt für das Austauschprogramm bei Konferenzen und schafft es so, eine große Hilfe für das Fortbestehen des Vereins zu sein. Außerdem ist Gayle für uns Freiwillige, wie schon oben gesagt, eine Art Ersatzmutter und die Kontaktperson für alle Fälle, so dass man sich mit  sämtlichen Problemen an sie wenden kann- wenn sie einen mag und umgekehrt! Ein freundlicher Gruß an Raffael und die Bande vom letzten Jahr an dieser Stelle ;)

Sharon ist zwar fast blind, aber trotzdem eine der engagiertesten Senioren und unglaublich gutherzig. Sie hilft, wo sie nur kann, hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und eckt mit ihrem losen Mundwerk auch schon mal an. Das macht sie für mich zu einer meiner besten Freunde im Center, denn wir beide verstehen uns einfach sehr gut und helfen uns gegenseitig, wenn mal Arbeit im Center anfällt. Sie ist 65 und die beste Freundin von Judy.

Judy ist 67 und Busfahrerin des Krapohl Centers und außerdem ausgebildete Friseuse, was meine Haare sehr zu schätzen wissen. Ähnliche wie Sharon, ist Judy eine echte Frohnatur und versteht es immer wieder, das gesamte Center zum Lachen zu bringen. Beim berühmten Wii-Bowling-Turnier ist sie Serienmeisterin, außerdem der Medaillengarant des Centers bei den Senior Olympic Games. Judy ist außerdem begeisterte Golfer- und Anglerin, gerade das Golfen versucht sie seit einiger Zeit auch mir näher zu bringen, allerdings mit durchwachsenen Erfolg. Ich würde Judy durchaus als meine "Lieblingsseniorin" bezeichnen, da, sobald sie den Raum betritt, die Stimmung direkt hochgeht, außerdem hat sie einen super Freund (nicht Ehemann, davon hatte sie schon 4 ;) ).

Womit wir zu Tim kämen. Sein eigentlicher Name Timothy wird immer dann benutzt, wenn die beiden o.g. Frauen mal wieder etwas an ihm auszusetzen haben, was zu seinem Glück gar nicht soo häufig vorkommt. Gelegentliche Ausraster beim Bingo oder Bowling spielen mal ausgenommen, ist Tim eine sehr ruhige Natur, allerdings mit dem entschiedenen Vorteil, sehr sportbegeistert zu sein. So war er es, der mich davon überzeugen konnte, dass Football gar nicht soo langweilig ist und so verdanke ich ihm heute mein gesamtes Wissen über diesen Sport (zugegeben: Fußball, Eishockey und Basketball stehen immer noch  höher im Kurs). Tim hat, als er 5 Jahre alt war, bei einem Autounfall beide Beine verloren und sitzt seitdem im Rollstuhl, doch davon lässt er sich von keinerlei Aktivitäten abhalten. Neben Football ist das Fischen seine große Leidenschaft. Tim ist definitiv "my man"!

Norman ist mein Billard-Buddy! Seit Oktober bespielen wir fast jeden Morgen von 9 bis halb 12  den Pool-Tisch, außerdem hat er sich auch schon als Golf-Lehrer bei mir versucht. Beim Billard hatte er da definitiv mehr Erfolg, das musste auch er sich nach dem gefühlt tausendsten Fehlschlag eingestehen müssen. Ansonsten ist Norman schon alleine wegen seiner Körpergröße von rund 1.9m sympathisch und absoluter Auto/Oldtimerfan Er hat,drei wunderbare Exemplare amerikanischer Automobilkunst selber aufgemotzt hat, die er aber leider nur sehr selten fährt. Für den Alltag reicht da auch der BMW-5er, wie gesagt: Der Mann hat Geschmack!  Einziger negativer Aspekt: In seinen 76 Lebensjahren hat er es nie geschafft, sich ein Interesse an anderen Sportarten als Billard, Golf und Baseball an zueignen, von ihm kam während des WM-Eröffnungsspiels  die Frage: "Was für eine Sportart ist das da eigentlich, und wieso hört sich das an wie ein Schwarm Hummeln?"

Nora ist 85 Jahre alt und seit der Gründung des Centers aktiv dabei. Seit über 10 Jahren arbeitet sie im "Front Desk", also im Verwaltungs- und Begrüßungsbereich des Centers und gibt außerdem dreimal die Woche ein Fitness-Training für andere Senioren. Sie ist fast peinlich berührt, wenn sie andere Mitarbeiter des Centers bei deren Tätigkeiten unterbrechen muss oder mal eine Frage hat. Liebenswürdigkeit und Zuverlässigkeit in Person, so kann man Nora wohl am besten beschreiben. Eine wirklich enge Beziehung zu ihr hatte ich nie, aber sie ist einfach nett und gehört zum absoluten Inventar des Centers.

Charlotte ist unser Brummbär. Sie ist eigentlich immer etwas grummelig, aber absolut herzlich und einfach "echt". Wenn sie etwas stört, sagt sie es offen heraus!Wenn sie deine Hilfe braucht, erwartet sie, dass das sofort und auf der Stelle möglich ist! Auf der anderen Seite ist sie auch immer bereit, dir oder der Allgemeinheit zu helfen. Charlotte hat die lauteste Stimme aller unserer Seniorinnen, nutzt diese aber nicht nur zum Meckern, sondern auch sehr häufig zum Lachen- nur nicht wenn's um Bingo geht: da ist ihrer Meinung nach Ernsthaftigkeit angesagt und kein Platz für Späße. Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem Charlotte nicht im Center ist, denn "irgendwas gibt es immer zu tun". Neben dem Dienst in der Küche, hilft sie also bei allen anderen gerade anfallenden Aufgaben und liefert sich mit Judy hoch emotionale Duelle beim Wii-Bowling.

Isabelle wird von mir nur Mrs. Card-Games genannt. Sie ist mit ihren 89 Jahren eine der ältesten "Stammsenioren", also jemand, der eigentlich jeden Tag anwesend ist. Ihre Zeit hier verbringt sie dann damit, alle nur erdenklichen Kartenspiele mit ihren Mit-Senioren zu spielen. Außerdem zieht sie die Bingo-Kugeln und war in der Vergangenheit wohl die "Sportmaschine" des Centers, mit zunehmenden Alter musste sie das leider aufgeben. Trotzdem nimmt sie noch an so ziemlich allen Aktivitäten teil und ist mit ihrer ruhigen, netten Art sehr sympathisch.

Stan ist der McGyver des Centers. Wann immer Probleme auftauchen ist Stan da und löst diese- irgendwie! Außerdem ist er Busfahrer und so ziemlich in alle Aktivitäten im Center involviert. Ein Detroiter-Orginal mit ziemlich starken Dialekt, aber unglaublicher Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Bei Stan kannst du mit allem ankommen, er weiß irgendeine Lösung, außerdem ist er ein lebendes GPS-System, zumindest, was die Region Flint-Detroit angeht. Er gehört zu unserer allmorgendlichen Billardrunde und ist großer Baseball-Fan.

Diese Frau hat sich gemacht! War Betty in den ersten Wochen noch aufgrund ihrer Garstig- und Dreistigkeit bei mir völlig unten durch, so hat sie sich seither immer mehr gemacht und ist mittlerweile eine meiner Lieblingsseniorinnen geworden. Zwar mag sie es immer noch, sich über alles mögliche zu beschweren, gleichzeitig ist sie aber super hilfsbereit und nett geworden. Ab und an mussman sie bremsen, damit sie nicht anderen Senioren die Augen auskratzt, gerade zwischen Norman und ihr kracht es beim Billardspielen das ein oder andere mal: Aber letztlich kann man wirklich sehr gut mit ihr auskommen, sobald man sie einmal kennt- und sie dich.

Kommen wir zu den zwei Pärchen, die ich seit meiner Ankunft so ziemlich jeden Tag um mich herum hatte.

Da wären zunächst mal Joe und Margret. Die Beiden sind jeden Tag im Center, beteiligen sich an fast allen Aktivitäten und arbeiten ansonsten freiwillig in der Küche bzw. der Center-Werkstatt. Joe ist einer meiner Billard-Partner, während Margret eher eine unserer Bowling-Experten ist. Zusätzlich gehört Joe zu den sport- verrücktesten Menschen, die ich hier kennen lernen durfte. Besonders beim Baseball kennt sich der Mann einfach aus und kann dir unglaublich viele, spannende Geschichten erzählen. Die beiden gehören ebenfalls zum "Inventar" und meinen Lieblingsmenschen hier, da sie beide ein großer Faktor für die nette Atmosphäre im Center sind.

Zu guter Letzt wären dann da noch Myriell und Edward. Während ich Ed immer etwas sonderbar finde, ist Myriell definitiv mein "Oma-Ersatz".  Neben Wäschefalten, Extras beim Mittagessen oder einfach guten Ratschlägen, erinnert mich besonders ihr stetiges Interesse an meinem Leben und das Erzählen aus ihrem Leben an meine Omas zu Hause. Das macht Spaß, und wenn sie mir jetzt noch ihr Taschengeld und Auto zur Verfügung stellen würde, wäre der Unterschied verschwindend gering. Aber, keine Sorge Oma (beide): Ihr bleibt die Besten ;) .

Das war also eine kleine Übersicht über einen Teil der Leute, die meinen täglichen Arbeitstag im Center mehr wie Freizeit wirken ließen und die dafür sorgten, dass der Arbeitsplatz eine Atmosphäre hatte, die wohl seinesgleichen sucht. Durch das Senior Center meines Mitbewohners hab ich hier eine gute Vergleichsmöglichkeit und kann mich nur glücklich schätzen, hier meinem Platz gefunden zu haben. Auch wenn nicht alles während der 12 Monate glatt gelaufen ist, so war das Center stets ein Platz, wo ich gerne war, viel Spaß hatte und letztlich einer der Hauptgründe war, dass ich dieses Jahr so durchgestanden habe.

Ich hoffe, ich konnte die Ansprüche der älteren Leserschaft an diesen Beitrag (um den mich die betroffenen Personen mehrmals bitten mussten) erfüllen konnte und wünsche euch noch eine schöne Restwoche und ein schönes Wochenende. Ich werde mich wohl aus Florida wieder zu Wort melden.

Euer Clemens

13Okt/092

Krapohl Senior Center, Mount Morris Township

Hallo Deutschland,

es meldet sich der immer noch tiefgefrorene Clemens aus dem schönen Städtchen Mount Morris, Flint, Michigan.

Das Wochenende ist rum und ich hab’s geschafft, ein stinklangweiliges Footballspiel bei gefühlten minus 10° zu überleben. Glückwunsch dafür an mich. Ich kann die Begeisterung für diese Sportart einfach nicht nachvollziehen. Ihr kennt mich mehr oder weniger, ich bin ein äußerst sportbegeisterter Mensch, aber Football, also Football geht wirklich nicht. 5 Sekunden Spielzug, 5 Minuten Pause und dass über 3 Stunden hinweg. Ne lass ma! Ich werde noch einmal hingehen, um mir mal ein Spiel im Stadium of Michigan anzuschauen, danach wird der Football die restliche Zeit hier auf meine Besuche verzichten müssen. Das Spiel zwischen Central Michigan University und Eastern Michigan University endete vor ca. 25000 Zuschauern äußert knapp 56:8, was die Spannung erhöhte und die Kälte in den Hintergrund treten ließ *hust*.

Zu allem Überfluss durfte ich aufgrund dieses Großereignisses auch noch auf das Länderspiel unser N11 verzichten, so dass es mir leider nicht vergönnt war, den glorreichen Sieg gegen „den Russen“ live zu verfolgen.

Immerhin das nachfolgende Programm war äußerst erfolgreich. Im Casino rollten die Rolletkugeln genau wie ich es wollte und am Ende stand eine Verdreichfachung  meines Einsatzes zu buche. So muss dat sein, meine Freunde.

Nun gut, kommen wir zum Thema der Woche: Krapohl Senior Center, Mount Morris Township.

Ich hatte ja angekündigt, euch mal ne Runde meine momentane Arbeitsstädte näher zu bringen.

Hierzu gibt’s einige Fotos, die euch diese Eindrücke verbildlichen sollen.

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Beginnen wir mit dem Büro der Chefin. Wie ihr seht, sind die Regale voll mit Auszeichnungen und Erinnerungsgegenständen. Gayle hat ihren Master an der Central Michigan University in „Administration pedagogics“ gemacht. Vergleichbar denke ich, mit Sozialpädagogik nur noch weitreicheder. Gayle ist nicht nur Chefin des Krapohl Senior Centers, sondern auch Boarder Director für alle Senior Center des Staates Michigan. Sie ist also eine Art „Abgeordnete“ des Staates Michigan im Bereich Seniorenbetreuung. Sie ist bekennende Kettenraucherin, hat 3 Katzen und wohnt ca. 10 Minuten vom Center entfernt. Für mich und ich denke auch für Christian, ist sie bisher unsere Kontaktperson Nr.1 und unser Verhältnis ist zum Glück mehr als gut. Dienstags gehen wir zu ihr Abendessen, mittwochs versuchen wir für sie zu kochen. Bisher hat sie’s überlebt.

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Okay, bei diesen beiden wunderbaren Personen, die gerade im Bingo-,Wii-Bowling/Aktivitätsbereich sitzen, handelt es sich um Sharon und Tim. Die beiden sind aktiv als Volunteers im Center, d.h. sie helfen beim Empfang und in der Küche. Außerdem sind sie mitverantwortlich für die tolle Atmosphäre, da sie eigentlich immer gute Laune  und einen lockeren Spruch auf den Lippen haben.

Im genannten „Aktivitätsbereich“ finden neben dem Wii-Bowling auch noch Veranstltungen wie Yoga, ärztliche Untersuchungen, Massagen, Wii- Fit und Malkurse statt. Diese finden teilweise mehrmals wöchentlich, teilweise nur einmal monatlich statt.

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So im Hintergrund sehen wir die Ausgabestelle der Küche und im Vordergrund einen der beiden Billiardtische. Der 2. wird eigentlich nur zur Ablage genutzt, während der Vordere eigentlich durchgängig im Betrieb ist.

Die Küche wird immer von 2 Volunteers geführt, welche wöchentlich Wechsel. Im Regelfall wird das Essen von einem Vertrieb geliefert und schmeck mal mehr, mal weniger gut! Freitags ist regelmäßig selbstorganisiertes Buffet. Hierzu bringt jeder Senior selber etwas Essbares mit und auch das Center tut seinen Teil hinzu, so dass bisher immer ein recht ansehnliches Angebot zustande gekommen ist.

Kurze Anmerkung zum Thema „Volunteers“: Ich bin ein Volunteer, jedoch der einzige Jugendliche. Die übrigen Volunteers sind größtenteils Senioren, die einfach mehr machen, als nur am Programm teilzunehmen, sondern die sich noch zusätzlich ehrenamtlich engagieren und ohne die das Center so nicht bestehen könnte, da auch wir von der Wirtschaftskrise betroffen sind und sparsam sein müssen. Mehr als die 3 Festangestelten ( Gayle, Sindy und Ruben, unser Sozialpädagoge) sind finanziell nicht machbar. Ein kurzes Wort noch zu Ruben: Weltklasse Typ. Mexikaner, ständig am lachen, Footballverrückt und hilfsbereit!

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Hier sehen wir unseren „Puzzeltisch“. Dieser steht direkt vor der Rezeption und ist gerade nachmittags eigentlich immer von 2-3 Senioren belegt.

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Wo wir gerade bei der Rezeption, beim “Front Office“ waren. Hier sehen wir Sindy. Sie ist für das Programm im Senior Center verantwortlich, plant und entwickelt neue Projekte und kümmert sich ansonsten gemeinsam mit Nora (Volunteer), um die üblichen Rezeptionsaufgabe a là Termine verwalten, Frage beantworten oder T-Shirts verkaufen.

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Ja, hier sehen wir grandioser Weise einen Teil der Esstische, gepaart mit dem 12 Stunden-non-stop laufenden Fernseher. Unter  dem TV stehen DVD Recorder, Wii-Konsole (davon gibt’s direkt mal 2!) und Musikanlage. Ihr seht: Total modern der Laden! Mit den Wii‘s wird dienstags 3 Stunden auf 2 Leinenwänden gebowlt. Daran nehmen immer ca. 16 Senioren, eingeteilt in 2 Ligen teil. Ich sach euch eins, ne: Die gehen richtig steil auff dat Spiel! Da herrscht ne Stimmung im Center, da kann die Ostkurve Bochum nur von Träumen! Montag, Mittwoch und Freitag gibt’s dann noch jeweils eine Stunde Wii-Fit, damit man auch körperlich so richtig auf der Höhe bleibt!

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Ja hier nochmal in Großaufnahme. Bezeichnend, dass die so hoch verehrten Flaggen in diesem Teil des Centers stehen ;-)

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Donnerstag isset soweit. Schön Oktoberfest, mit ekliger Weißwurst, frisch importiert und sicherlich genauso unausstehlich wie ich die Teile kenne! Dazu gibt’s süßen Senf und Kartoffelsalat. Ich freu mich im Übrigen jetzt schon auf ein ordentliches Maxi- Menü von Halo Burger.  Aber die Deko find ich großartig! Ach ja: Wir haben zwar Paulaner und Hofbräu gefunden, jedoch sind die Preise so abartig hoch und rechtlich ist nicht sicher, ob wir Alk ausschenken dürften,  da lassen wir’s direkt sein. Nette Anekdote von Raffael, der letztes Jahr hier war: Gayle wollte 2008 die Weißwürste wohl braten! Find ich ne super Idee, schlechter können die Teile dadurch ja nicht werden!

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So, ein Blick auf den Eingang, der momentan wie der gesamte Raum in den Farben des Landes „Bayern“ geschmückt ist. Ja, man gibt sich International im Krapohl Center, wenn’s in Richtung Oktoberfest geht. Die deutsche Fahne ist aber auch vertreten, nicht dass hier Missverständnisse aufkommen.

Ihr seht auf diesem Bild noch einen wunderbaren Blumenkübel; dieser steht auf unserem Ablage-Billiardtisch.

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Hier seht ihr unseren Computerraum. Insgesamt haben wir hier 5 mehr oder weniger funktionstüchtige Geräte. 2-mal Vista, 3-mal XP, wobei der PC links hinten wohl momentan komplett von Viren lahmgelegt ist. Der PC- Raum wird von den Senioren für allerlei Dinge genutzt: Ahnenforschung, Steuern oder einfach nur  „mal schauen, wie das so funktioniert.“

Auf Termin geben Christian und Ich auch hin und wieder Computerkurse für unsere totalen Anfänger. Da muss man dann auch schon mal zeigen, wie so ein Computer überhaupt angeht. Amüsant, aber irgendwie auch komisch, wenn man bedenkt, dass die Leute tatsächlich 80 Jahr lang ohne PC klar gekommen sind. Wir unsere Generation wohl wirklich undenkbar ;-)

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Wir werfen einen Blick nach draußen: Nach vorne raus ist unser Parkplatz, nicht sonderlich spannend möchte ich meinen. Kurze Anmerkung: Alle Fotos sind bei angenehmen 5° und Dauerregen entstanden!

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Nach hinten raus ist dann „unser“ Park. Hier muss erwähnt werden, dass das gesamte Grundstück, inklusive des Centers, der Stadt Mount Morris Township gehört und Gayle hier ein lebenslanges Pachtrecht ausgehandelt hat.

Also zum Park: Dieser wird besonders für Walking und Jogging genutzt. Hinten seht ihr eine rote Hütte. Das ist unser „Woodshop“. Hier können interessierte Senioren ihre handwerklichen Fähigkeiten ausleben und hier entstehen regelmäßig Weihnachtsgeschenke für Kinderheime oder andere Jugendeinrichtungen.  Recht kann man das Gewächshaus erahnen, wo momentan das reinste Chaos herrscht und welches im Frühling wohl komplett neu eingerichtet wird.

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Gayle's Chevy, welchen sie immer direkt vor der Hintertür parkt, da diese direkt in ihr Büro führt. Bequemlichkeit ist Trumpf in den Staaten.

Im Hintergrund nochmal ein Blick auf den Park und den dazugehörigen See. Im Sommer finden hier auch einige sportliche Wettkämpfe statt, u.a. Frisbeegolf. Funktioniert wie richtiges Golf, nur dass man mit einer Frisbeescheibe in die gekennzeichneten Bereiche treffen muss.

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Noch ein spannendes Bild- Die Zufahrt zum Keller. Diesen Keller teilen sich die benachbarte Polizei und das Center, so dass im einen Teil nicht genutztes Dekorationsmaterial und im Anderen Diebesgut liegt. Außerdem ist auch die richtige Reservartenkammer der Polizei im Keller untergebracht. Hier finden sich Drogen, Waffen und ähnliche Spielzeuge. Bisher  ist es mir leider nicht gelungen, diesen Raum zu knacken... :-(

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Letztes Foto, nochmal eine wichtige Person im Center. Mein Lieblingsvolunteer, die großartige Judy! Judy fährt den Centereigenen Bus und holt damit die Senioren aus unserem Einzugsbereich ab. Außerdem ist sie die Bowlingkönigen und gute Seele des Center. Einfach eine unglaublich herzliche Person, die ich schon jetzt sehr liebgewonnen habe.

So, nach diesem emotionalen Schlusspunkt weise ich noch daraufhin, dass wir kommendes Wochenende das erste Mal in Detroit Downtown sein werden und uns dort mit den Spießern aus dem spießigen Grosse Pointe treffen (:-P), ehe wir abends zum fröhlichen Zusammensein wieder in unsere Villa zurückkehren werden.

So, das war’s für diese Woche von mir. Isch wünsch eusch allet jute, jeniest die Herbstferien, so ihr denn welsche habt und lasstet eusch jut jehen!

Greetings aus dem arschkalten Flint,

euer Clemens